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Die Probe auf Exempel

6. Juni 2011

Es ist aber nicht nur seine Unordnung, die ich mir nicht in einem gemeinsamen Haushalt vorstellen kann. Es ist auch ein bisschen sein Benehmen, wofür er zwar nichts kann, das mich aber stören würde, wenn ich es rund um die Uhr um mich hätte. So macht er zum Beispiel partout den Toilettendeckel nicht runter, nachdem er auf Toilette war, schlürft beim Trinken und geht nach dem Händewaschen mit nassen Händen an den Lichtschalter, sodass die Wassertropfen herunterlaufen. Vielleicht wäre es eine Idee, das noch einmal intensiv im Urlaub zu testen? Wir könnten nach Pauschalreisen günstig im Internet gucken und wenn wir eine der Pauschalreisen günstig buchen können, zusammen in Urlaub fahren und die Probe auf Exempel machen. Dabei sollten wir vielleicht nach Pauschalreisen günstig suchen, die etwas länger gehen. Wohnen auf Probe quasi. Fragt sich nur, ob wir beide so lange Urlaub bekommen würden und ob wir in Sachen Pauschalreisen günstig fündig werden. Andererseits: Pauschalreisen günstig ist nicht gleich zusammen Wohnen, Urlaub kein Alltag. Und wenn ich feststellen würde, dass es wirklich nicht mit ihm zusammen klappen würde, wäre es vielleicht doch keine Pauschalreise günstig, sondern würde unserer Beziehung teuer zu stehen kommen. Oder kann man eine Familie in verschiedenen Wohnungen gründen?? Will er überhaupt eine Familie gründen? Was haben wir nur all die Jahre gemacht, dass ich diesbezüglich so wenig über ihn weiß…?

fünf vor zwölf

3. Juni 2011

So langsam muss ich mir jedenfalls ernsthaft überlegen, wie es weitergehen soll. Meine biologische Uhr tickt nämlich zunehmend lauter. Ein erster Schritt wäre es vielleicht, dass wir überhaupt mal zusammen ziehen. Schließlich wohnen wir ohnehin nur ein paar Straßen voneinander entfernt und könnten so viel Geld sparen. Nur habe ich mich bisher dagegen gewehrt, denn auch wenn uns keine große Entfernung trennt, trennen uns ordnungstechnisch jedoch Welten. Seine Wohnung ist ein richtiger Chaoshaufen. Wenn ich ihm dann sage, dass er mal aufräumen soll, macht er das zwar, entgegnet aber immer mit Einsteins Spruch, der einmal gesagt haben soll: Wenn ein unaufgeräumter Schreibtisch für einen unaufgeräumten Kopf steht, wofür steht dann ein leerer Schreibtisch?

Das ewige Kind

30. Mai 2011

Ich meine, wie will ich mit so einem ein Kind groß ziehen? Jetzt hat er in seiner Garage eine riesige Leinwand aufgebaut, vor der er den ganzen Feierabend mit seinen Kumpels mit Computerspielen verbringt. Ihr solltet ihn mal sehen! Er benimmt sich wie ein 14 Jähriger. Von Erwachsenenkram wie Versicherungen, Altersvorsorge und Pflegeversicherung will er schon mal gar nichts wissen. Er kleidet sich zudem auch wie ein Teenager: Baggy-Jeans und Sneakers mit dicken Schnürsenkeln sind seine Lieblingsklamotten. Natürlich nicht auf der Arbeit, aber privat. Man glaubt wirklich, die Zeit sei bei ihm stehen geblieben. Auf der Beerdigung eines Onkels von mir hat er dann unseren Hund mit Weihwasser beträufelt und mit dem Singsang eines Priesters “der Heeeeer seeegne diiiiiich” gesungen. Am liebsten wäre ich unter den erschrockenen Blicken der Verwandtschaft im Boden versunken! Solche und andere peinlichen Momente erlebe ich mit ihm rund um die Uhr und ich bin nur dabei, zu gucken, dass ich das Schlimmste verhindern kann.

Mann fürs Leben?

24. Mai 2011

Wie findet man eigentlich heraus, ob der Typ, mit dem man zusammen ist, auch derjenige ist, den man vielleicht mal heiraten will und mit dem man Kinder hat? Zu oft hört man auf diese Frage die Antwort, dass das schon von selbst kommt und dass man auf sein Herz hören sollte. Für mich ist das nichts anderes als sinnloses Geschwafel! Ich bin jedenfalls mit meinem Freund schon seit über zehn Jahren zusammen und es ist bisher nichts in dieser Richtung passiert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er in den letzten zehn Jahren kein bisschen erwachsener geworden ist. Einerseits liebe ich das an ihm, denn es ist wirklich NIE langweilig mit ihm. Immer passiert irgendetwas! Ich komme mir da wirklich nicht selten vor wie seine Mutter, die hinter ihm herlaufen muss, um darauf zu achten, dass er keine Dummheiten macht. Was ich in den Zwanzigern noch witzig und abenteuerlich fand, nervt mich aber nun zunehmend.



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